Diffring Award

Diffring Preis für Skulptur

Gemäß der Satzung der gemeinnützigen Stiftung vergibt die Jacqueline Diffring Foundation jährlich einen Preis an eine Künstlerin oder einen Künstler im Fach Skulptur. Er richtet sich an junge noch nicht arrivierte internationale Künstler und wurde zum ersten Mal 2008 vergeben. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert.

Die Auswahlkriterien beruhen auf einen inhaltlichen und/oder formalen Bezug zum Werk der Stifterin Jacqueline Diffring.
Die Auswahl der Preisträger erfolgt auf Grund von Vorschlägen aus der Jury.
Bewerbungen können in Form von eMails, Portfolios oder CD/ DVD eingereicht werden. Für die zugesandten Dokumente wird keine Haftung bzw. Rücksendung übernommen.
Die Preisverleihung ist öffentlich, findet an einem kulturellen Standort statt und wird von einer Veröffentlichung im Internet und einem Printmedium begleitet. Die Laudatio hält in der Regel der künstlerische Leiter der Stiftung oder eine von ihm ernannte Person.

Jacqueline Diffring Foundation
Schaperstr. 19
10719 Berlin

Leiter der Jury:
Joachim Becker, künstlerischer Leiter und Treuhänder der Stiftung

Beratende Jury-Mitglieder:
Jacqueline Diffring
Marlene Mohn
Prof. Gottfried Lischke
Dr. Detlef Schäfer


Der Diffring-Preis für Skulptur 2008

wurde dem südkoreanischen Künstler KYOENG SUB YUE
am 18. Dezember 2008 in der Botschaft der Republik Korea, Kulturabteilung, in Berlin verliehen.

“Die Themen, die mich faszinieren und die mich tief berühren, entstehen aus Fragen, die den Menschen seit seiner Existenz fasziniert und bewegt haben; sein Kampf einen Sinn in seinem Dasein zu finden, seine Beunruhigung, einen Platz im Universum einzunehmen, und vor allem seine übermenschliche Anstrengung, Harmonie zu finden - alles Fragen, die offen stehen.” (Jacqueline Diffring, 1992)

Kyoeng Sub Yue studierte an der Universität der Künste in Berlin bei Prof. Dieter Appelt und ist Meisterschüler von Stan Douglas (2005). Erste Gruppenausstellungen erfolgten u.a. mit Tony Cragg und Rebecca Horn.
Dem künstlerischen Werk von Kyoeng Sub Yue liegt die ursprüngliche ostasiatische Ethik vom Einklang des Menschen mit der Natur und vom harmonischen menschlichen Zusammenleben zu Grunde. Die Wahrheiten der ’conditio humana’ und die Forderung nach Bewußtwerdung geben seinen Arbeiten ihre inhaltliche Bedeutung: das Sichtbarmachen des Verborgenen, des Vergessenen, die Wahrnehmung des Menschseins heute mit seinen existentiellen Ängsten und Bedürfnissen und das Fragen nach den menschlichen Werten der Zukunft sind seine Sujets. Dabei ist das Durchdringen von Raum, Zeit und Dimensionen ein elementares Bestreben von Yue.
Kyoeng Sub Yue erhielt den Diffring-Preis für Skulptur 2008 für sein skulpurelles Werk, das sich seit Beginn seines noch jungen künstlerischen Schaffens in vielfältigen Formen und Techniken darstellt. Die ’sculptura’, das klassische substraktive Verfahren entwickelt er mit ebenso bemerkenswerter Sensibilität und Poesie wie auch das additive plastische Gestalten seiner Werke. Figuren aus Holz, Zweigen oder aus Staub kreiert, sind geheimnisvolle transkulturelle Behausungen einer Idee, aufbewahrende Hüllen von Gedächtnis.

Kyoeng Sub Yue

Die Materialität ist stets ein begründeter Teil des Themas. Form, Material, Medium und Thema bedingen sich gegenseitig und verschmelzen auf der Bedeutungsebene zu einem Ganzen. Das mehrdimensionale Denken ist elementar in allen Arbeiten von Yue vorhanden. Nicht allein das Figürliche - selbst schon sinnstiftendes Symbol - ist Projektionsfläche für Imagination. Das skulpturelle Sehen findet seinen ästhetischen Ausdruck ebenso in der Fotografie, Installation, Zeichnung und im Film. Die ephemere Skulptur bewahrt ihre plastische Spannung in der Fotografie auf. Dem Künstler genügt jedoch nicht eine dokumentarische Aufnahme des Kunstgegenstandes, vielmehr steigert er die Wahrnehmungsmöglichkeiten des Rezipienten indem er ihn aus der Realität löst und in eine imaginäre surreale Welt stellt.
Jacqueline Diffring schrieb zu ihrer Skulptur ‘Das Verlangen zu Empfangen’: “Der Wunsch, sich weiter zu entwickeln - der Schöpfung begegnen und sie erkennen, kontemplativ sein - ist wahrer Sinn des Lebens.” Die Arbeiten von Kyoeng Sub Yue sind Meisterwerke der Kontemplation.


The Thinker, 2008 The Thinker, 2008, Mischtechnik, Staub, 17 x 7 x 8,5 cm

Normadic-House-Primavera, 2005 Normadic-House-Primavera, 2005, Fotografie, Lambda Print, 100 x 100 cm

Operation 1, 2006 Operation 1, 2006, Mischtechnik, 120 x 20 x 15 cm

Moon, 2005 Moon, 2005, Fotografie, Lambda Print, 100 x 218 cm, détail

Mann mit Boot, 2008 Mann mit Boot, 2008, Holz, 28,5 x 14 x 30 cm

DIFFRING-PREIS FÜR SKULPTUR  2009:

Guillem Nadal erhält den Diffring-Preis 2009 für sein skulpturales Werk.

Guillem NadalNadals Sprache ist die Sprache der Poesie. Seine Werke ermöglichen die vielschichtige Erfahrung von Ästhetik, von wahrem Ausdruck, wo Wahrheit und Schönheit eins sind.
Nadal stellt in seinen Werken die Frage nach dem Wesen der menschlichen Existenz, nach der  ’conditio humana’.
Sein Werk ist durchdrungen von plastischem Sehen, es äußert sich in figurativen Skulpturen, raumfüllenden symbolhaften Installationen und Assemblagen, assoziativen Anordnungen von ’objets trouvés’.
Das Streben in die dritte Dimension ist dem Werk von Guillem Nadal seit Anbeginn seines künstlerischen Schaffens immanent. Zweige ragen schon in früheren Arbeiten aus Leinwänden in den Raum hinein und zeichnen einen unendlichen Gedankenweg zwischen Vergangenheit und Zukunft. Seine Bildsprache hat ihren Ursprung in Beobachtungen der Natur, als dessen Teil er sich versteht. Sein Atelier ist das große Reservoir, das die Erde freigibt, Fossilien, Kadaver, Fundstücke mit Geschichte im Fluss der Zeit.

Guillem Nadal

Nadal versetzt das Unerklärliche  in ein Artefakt von poetischer Klarheit. In seinem skulpturalen Werk, ob figurativ oder abstrakt,  können kunsthistorische Bezüge auftauchen von Rodin bis Twombly,  und dennoch ist er in seiner ganz eigenen ästhetischen Ausdrucksweise unverkennbar und charakteristisch.
Das Thema dominiert authentisch die Form, sie ist Gegenstand des elaborierten Ausdrucks von Wahrhaftigkeit. Archaisch, mystisch, mit Teer überzogen oder schwarz patiniert, entzieht sich die Oberfläche einer haptischen Gefälligkeit. Sie verweist auf einen tieferen Sinn, dem Nadal Volumen und Spannung verleiht. Die Form ist gestaltgewordene Idee, Wissen.

Guillem Nadal

Mythen des Mittelmeerraumes klingen an und nehmen Platz in unserer globalisierten Welt. Ein sensibles Tangieren mit Licht und Schatten, mit bedrohlicher Fragilität, enthält ”das Versprechen des Glücks, das gebrochen wird” (Adorno). Guillem Nadal verliert sich nicht im schönen Schein, unter der Oberfläche lauern stets vulkanische Deutungs- und Bewußtseinsschichten. Und auch wenn der Mensch nicht direkt Gegenstand der Darstellung ist, so ist er doch immer bedeutend anwesend. Nadal entspricht mit seinen Arbeiten einer ethischen Weltsicht der Antike, die zeitlos der Menschbildung verpflichtet ist.
Das Kunstwerk, in seiner zeitgenössischen Ausprägung, ist Indikator für Bewußtseinsgeschichte. Nadal stellt den heutigen Menschen in Beziehung zu seinen geistigen Wurzeln, mythologisch, philosophisch, psychologisch (’Being rooted’, Diffring). Der Zyklus von Leben und Tod als Chance.

Atelier Nadal
Guillem NadalGuillem Nadal begreift unsere individuelle Lebenszeit, unsere kulturellen Erneuerungen als Sediment, das er als kurzfristige Schichtung an die Oberfläche spült – und im kollektiven Unbewussten der Menschheit verankert.

Guillem Nadal